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Die katholische Sichtweise

Abschied von einem besonderen Menschen

Pfarrer Martin Garmaier

Die Bedeutung eines jeden Menschen in seiner Persönlichkeit zeigt sich auch im Umgang mit dem Verstorbenen. Dies kommt unter anderem auch dann zum Ausdruck, wenn man Abschied von einem Menschen nimmt, der Teil unseres Lebens war.

Nicht umsonst kannten und kennen nahezu alle Kulturen und Religionen zu allen Zeiten eigene Abschiedsrituale. Moderne Medien und Reisen in andere Länder bringen uns dies wiederholt sehr eindringlich vor Augen.

Wie auch immer Menschen bestattet wurden und werden: Es zeigt sich darin die menschliche Würde, die einem Verstorbenen entgegengebracht wird. Er war als Lebender Bestandteil unseres Lebens, hat uns mehr oder weniger geprägt, hat seine Spuren hinterlassen. Dies hört auch mit dem Tod nicht auf.

So stellen Begräbnisrituale, wie auch immer sie aussehen mögen, eine Möglichkeit dar, zurückzublicken, Dank zu sagen und vor allem abzuschließen.

In gut gelungenen Abschiedsritualen wird Angehörigen die Chance gegeben, auf einer Station des Lebens ein Ende zu setzen und neu anzufangen. Auch wenn oftmals sehr hässliche und vor allem schmerzende Narben zurückbleiben, Trauernde haben die Möglichkeit, ihrem Leben neu zu begegnen und ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Die christliche Begräbniskultur greift wie zahlreiche andere Religionen in aller Regel das auf, was Verbindung schafft zwischen dem Leben im Hier und Jetzt, den Vorstellungen vom Leben nach dem Tod und dem Glauben und Hoffen sowohl des konkret Verstorbenen als auch seiner Hinterbliebenen. In den Texten und Symbolen will es die konkrete Trauer der Angehörigen genauso ernst nehmen wie die Zuversicht, die diesem Glauben entspringt.

Gott hat den Menschen geschaffen und „Ja“ gesagt. Dieses von Gott gegebene „Ja-Wort“ reicht über den Tod hinaus. Auch dies will das christliche Begräbnis zum Ausdruck bringen und so nicht nur von einer menschlichen Hülle Abschied nehmen, sondern von einem ganz konkreten Menschen, der mitten unter uns gelebt hat, seinen Platz in unserem Leben ausgefüllt hat und dem Glauben nach auch über den Tod hinaus lebendig ist.

Pfarrer Martin Garmaier

Die evangelische Sichtweise

Gedanken zum Tod und zum Sterben

Pfarrer Lars Schmidt

Der Tod macht dem Leben einen Strich durch die Rechnung – aus und vorbei; kein gemeinsames Lachen, kein gemeinsames Weinen mehr, spürbare Nähe kommt an ein Ende. Das ist eine große, schwere Last. Und mit der müssen wir leben. Deshalb macht es keinen Sinn, das Thema Tod und Sterben aus unserem Leben zu verbannen, deshalb macht es Sinn im Wissen zu leben, das Lachen und Weinen endlich sind. Und es macht Sinn, nach einer Hoffnung zu fragen, die gerade dann trägt und auffängt, wenn ich voller Traurigkeit am Boden bin. Sicher hilft uns die Liebe anderer Menschen, die Last des Abschieds auszuhalten; und für den, der glaubt, hilft Gott, die unabänderliche Last des Sterbens anzunehmen: „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herren, der vom Tode errettet“ – so vertraut ein Beter im Buch der Psalmen. Für den Menschen, der glaubt, wird die belastende Erfahrung des Todes getragen von der großen Hoffnung, dass dennoch eine Perspektive da ist, dass das Leben immer stärker ist als der Tod. Doch diese Hilfe, diese Zuversicht, will erfahren werden, möchte spürbar sein – sonst drückt mich der Verlust zu Boden. Deshalb ist es gut und trostreich, dass ich diese lähmende, schmerzende Last nicht alleine tragen muss: Dass jemand mir ein liebes Wort oder eine Umarmung schenkt, dass es die Möglichkeit gibt, mich vertrauensvoll in die professionellen Hände eines Bestattungsunternehmens zu begeben, dass ich die trostreiche Chance habe, den Abschied bewusst mit einem Gottesdienst zu begehen, all das können Zeichen der Hilfe Gottes sein. Gott wirkt eben auch durch uns Menschen. Und all diese Hilfe, die ich hoffentlich suche und erlebe, ist für uns Christen geborgen im Glauben an die Auferstehung. Wenn ich so hoffen kann, dann gibt es kein endgültiges NEIN zum Leben, auch durch den Tod nicht; dann bleibt Gottes großes JA zu uns, zu mir und zu dir. Dann vollendet sich bei Gott das Leben und wird ganz und heil – selbst, wenn es hier noch voller Lasten und Sorgen war. Mir tut es gut, so für die Menschen zu hoffen, deren Weg hier mit mir zu Ende geht. Diesen Trost wünsche ich uns allen.

Wie kann ein JA im NEIN sein?

Wenn der Tod ins Haus tritt, dann spüren Herz und Sinne ein großes, schreckliches NEIN:

Ein geliebter Mensch ist nicht mehr. Gottes JA wurde mir einmal am Anfang meines Lebens zugesprochen. Aber es endet nicht, wenn mein Leben auf dieser Erde zu Ende gehen wird. Seinem liebenden Herz und seiner Schöpfermacht traue ich es zu, dass ich auch nach meinem Tod in seinen Händen geborgen bleibe und aus seiner Hand einmal ein ewiges Leben in seinem Reich neu empfange.

Diese Hoffnung will mein Leben heute schon bestimmen und sie kann einmal meine Hinterbliebenen trösten. Darum steht am Ende des Lebens eines Christen eine kirchliche Bestattung, in der das vergangene Leben gewürdigt, Gottes große Verheißung verkündigt und das zu Ende gegangene Leben seiner Liebe neu anempfohlen wird.

Sie müssen von einem lieben Menschen Abschied nehmen?

In aller Regel lähmen Trauer und Kummer. Deshalb können Sie sich mit fachmännischem Rat helfen lassen: Ihr erster Ansprechpartner ist ein Bestattungsunternehmen nach Ihrer Wahl. Dort wird man sich um alle wichtigen Schritte kümmern. Das Bestattungsunternehmen verständigt, wenn der/die Verstorbene evangelisch war, auch unser Pfarramt und vereinbart den Termin der Bestattung. Unmittelbar danach wird eine oder einer von uns Geistlichen sich bei Ihnen melden und einen Besuchstermin vereinbaren.

Bei diesem Gespräch stehen Sie mit Ihrer momentanen Situation, Ihren Gefühlen und Gedanken im Mittelpunkt: Wir wollen für Sie da sein – auszusprechen, was war und wie es war, kann gut tun. So versuchen wir, Ihnen zur Seite zu stehen, auch den Ablauf der Beisetzung sprechen wir mit Ihnen ab. Hilfreich ist, wenn Sie sich schon zuvor Gedanken über das Leben Ihres Verstorbenen machen, über wichtige Stationen, über sein Wesen, über prägende Momente.

Pfarrer Lars Schmidt